Hygiene-Tipp, Februar 2015

Einstufung von Medizinprodukten

Nach geltendem Medizinprodukterecht müssen im Krankenhaus und auch in der Arztpraxis alle Medizinprodukte in jeweils eine Kategorie eingestuft werden. Die Einstufung muss schriftlich erfolgen. Aus dieser Einstufung ergeben sich Anforderungen hinsichtlich der Aufbereitung (Reinigung, Desinfektion, ggfs. Sterilisation), die einzuhalten sind. Nachfolgend die Kategorien:

Einstufung Definition Besonderheiten Aufbereitung
Unkritische Medizinprodukte Medizinprodukte, die nur mit intakter Haut in Berührung kommen keine Reinigung/Desinfektion
Semikritische Medizinprodukte (Aoder B) Medizinprodukte, die mit Schleimhaut oder krankhaft veränderter Haut in Berührung kommen Semikritisch A: ohne besondere Anforderungen an die Aufbereitung Bevorzugt maschinelle Reinigung (bevorzugt alkalisch) und thermische Desinfektion. Ggfs. Sterilisation (grundsätzlich mit feuchter Hitze)
Semikritisch B: mit erhöhten Anforderungen an die Aufbereitung. z. B. Medizinprodukte mit Hohlräumen Vorreinigung unmittelbar nach der Anwendung. Bevorzugt maschinelle Reinigung (bevorzugt alkalisch) und thermische Desinfektion. Ggfs. Sterilisation (grundsätzlich mit feuchter Hitze)
Kritisch Medizinprodukte (A, Boder C) Medizinprodukte, die bestimmungsgemäß die Haut oder Schleimhaut durchdringen und dabei in Kontakt mit Blut kommen bzw. an inneren Geweben oder Organen zur Anwendung kommen. Medizinprodukte zur Anwendung von Blut, Blutprodukten oder anderen sterilen Arzneimitteln/sterilen Medizinprodukten Kritisch A: ohne besondere Anforderungen an die Aufbereitung Bevorzugt maschinelle Reinigung (bevorzugt alkalisch), thermische Desinfektion. Sterilisation (grundsätzlich mit feuchter Hitze)
Kritisch B: mit erhöhten Anforderungen an die Aufbereitung. z. B. Medizinprodukte mit Hohlräumen Vorreinigung unmittelbar nach der Anwendung. Grundsätzlich maschinelle Reinigung, bevorzugt alkalisch, thermische Desinfektion. Sterilisation mit feuchter Hitze
Kritisch C: mit besonders hohen Anforderungen an die Aufbereitung (= kritisch B Medizinprodukte, die nicht dampfsterilisiert werden können) Weitere Aufbereitung nur in Einrichtungen mit extern zertifiziertem Qualitätsmanagementsystem nach DIN EN ISO 13485 in Verbindung mit der KRINKO/BfArM-Empfehlung

Nachfolgend beispielhaft, wie eine Auflistung und Klassifizierung von Medizinprodukten erfolgen kann:

Name Anzahl (fiktiv) Risiko-einstufung Vorreinigung Reinigung. + Desinfektion Spez. Kennzeich-nung Sterilisation
EKG-Elektroden 12 Unkritisch Nein Ja Nein Nein
Ohrtrichter 5 Semikritisch A Optional Ja Nein Optional
Ohrspülspritze 2 Semikritisch A Optional Ja Nein Optional
Spekulum 3 Semikritisch A Optional Ja Nein Optional
Flexible Endoskope (z. B. Gastroskop) 2 Semikritisch B Ja Ja Nein Bei Einsatz in sterilen Körperhöhlen
Schere 5 Kritisch A Optional Ja Nein Ja
Chirurgische Pinzette 5 Kritisch A Optional Ja Nein Ja
Anatomische Pinzette 5 Kritisch A Optional Ja Nein Ja
Wundhaken 5 Kritisch A Optional Ja Nein Ja
Pean-Klemme 5 Kritisch A Optional Ja Nein Ja
Scharfer Löffel 5 Kritisch A Optional Ja Nein Ja
Nadelhalter 5 Kritisch A Optional Ja Nein Ja
MIC-Trokar 4 Kritisch B Ja Ja Optional Ja
ERCP-Katheter 2 Kritisch C Ja Ja Ja Ja

Teilweise ist die Einstufung nicht eindeutig. Beispielsweise könnte eine Schere auch als Kritisch B eingestuft werden, da das Gelenk schwer zu reinigen ist. Ebenso könnte ein Gastroskop als Kritisch B eingestuft werden, da es häufig mit Blut in Kontakt kommt (z. B. im Rahmen der Biopsie). Von manchen Kassenärztlichen Vereinigungen werden Broschüren im Internet zur Verfügung gestellt, die sehr detailliert und teilweise bebildert die aktuellen Anforderungen nachvollziehbar darstellen, z. B. „Hygiene in der Arztpraxis“ der KVBW (Download als PDF).

W. Popp, K.-D. Zastrow

Der Hygienetipp gibt die Meinung der Autoren wieder

Inhalt übernommen von www.krankenhaushygiene.de/informationen/hygiene-tipp/hygienetipp-archiv/586 (Stand 17.10.2026).